Ein Ort des Erinnerns an die Opfer der Psychiatrie während der NS-Zeit

Ende Oktober 2014 wurde auf dem Gelände des Bezirksklinikums Mainkofen nach 2-jähriger Bauzeit eine Gedenkstätte eröffnet.

Hier soll bewußt an die Opfer der Psychiatrie in der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Mainkofen während des Nationalsozialismus erinnert werden, die - nicht nur in dieser Einrichtung - nach den menschenverachtenden Vorgaben eines  verbrecherischen Regimes, seiner subalternen Mittäter und Helferhelfer, Unmenschliches erleiden mussten.

Der Nationalsozialistische Staat erklärte Menschen mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen für erbbiologisch und gesellschaftlich minderwertig. Am 1. Januar 1934 trat das 'Gesetz zur Verfügung erbkranken Nachwuchses' in Kraft.

Infolgedessen wurden in Mainkofen bis 1945 mehr als 500 Zwangssterilisationen an Jugendlichen und Erwachsenen beiderlei Geschlechts durchgeführt. Dies geschah entweder im eigenen Operationssaal oder in auswärtigen Krankenhäusern.

Schwerkranke und arbeitsunfähige Patienten wurden nach Berlin gemeldet. Dort entschieden Gutachter, ob die Betroffenen in eine der sechs reichsweit eingerichteten Gastötungsanlagen deportiert wurden. Eine der Tötungsanstalten war Schloß Hartheim bei Linz.

Dorthin wurden nach aktuellem Wissenstand 606 Patienten aus der Heil und Pflegeanstalt verlegt. Zwischen Oktober 1940 und Juli 1941 erfolgen fünf sogenannte T4-Transporte vom Bahnhof Pankofen aus. Am Zielort fanden die Opfer ihren Tod in der Gaskammer.
Allerdings ließen sich die Transporte auf Dauer nicht verheimlichen. Deshalb wurde die geheime Reichssache T4 am 24.8.1941 eingestellt.
In der zweiten Phase der Euthanasie wurde dezentral, also in den Anstalten und Heimen selbst getötet, und zwar durch Überdosierung von Medikamenten, Nichtbehandlung von Krankheiten, Kälte und Hunger.

Bayerischer Hungerkost-Erlass

In Mainkofen kam der 'Bayerische Hungerkost-Erlass' vom 30.11.1942 mit der sogenannten 3b-Kost zur Anwendung. Das war eine fleisch- und fettlose Ernährung, die in wenigen Monaten zum schleichenden Tod durch Entkräftung führte.
Nach aktuellem Wissenstand starben 760 Mainkofener Patienten an Unterernährung.
In den Krankenakten finden sich lediglich verschleiernde Todesursachen wir 'Lungentuberkolose' oder Darmkatarrh. Dies erschwert die Ermittlung der Opferzahlen.
An all diese grausamen Vergehen und systematischen Tötungen soll auf dem zur Gedenkstätte umgewidmeten ehemaligen Friedhofsgelände erinnert werden.

Auf den beiden Glasstelen sind die Opfer sowohl des Hungerkost-Erlasses als auch die zur Tötung nach Hartheim verbrachten Opfer aus der Heil- und Pflegeanstalt Mainkofen mit Namen und Lebensdaten gelistet.
Diese Stätte, der Friedhof der ehemaligen Heil und Pflegeanstalt mit Leichenhalle und Prosektur soll ein 'Ort des Erinnerns an die Opfer der Psychiatrie im Nationalsozialismus' sein.
Zugänglich ist der Gedenkort ganztägig über das abgeschrankte Klinikgelände.
Der 'Ort der Stille' im ehemaligen Leichenhaus mit der Opferwand kann nur nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden.

Ort der Stille

Kontakt

Bezirksklinikum Mainkofen
94469 Deggendorf

Tel. 09931 87 0 (Telefonzentrale)