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Am Bezirksklinikum Mainkofen stehen Sie im Mittelpunkt, gemeinsam finden wir für Sie die richtige Therapie!  

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Kontakt:                              Tel.: 09931/87-27201

Team

Oberärzte:

Anna-Katharina Eser
Fachärztin für Neurologie

Dr. med. Hans Datzmann
Facharzt für Neurologie

Pflegerische Leitung:

Herr Bernd Engelgeh (Stationsleitung)
Frau Birgit Holler (stellv. Stationsleitung)
Frau Irmgard Habereder (stellv. Stationsleitung)

Information für Patienten und Angehörige

Bekanntermaßen stellt die Multiple Sklerose in Mitteleuropa die häufigste entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems dar. In Deutschland leiden ca. 200.000 Patienten an einer MS. Da die MS mittlerweile, vor allem im Frühstadium, sehr gut behandelbar ist, sind rechtzeitige Diagnosestellung und Einleitung einer Therapie von entscheidender Bedeutung. In unserem Neurologischen Zentrum führen wir, jeweils angepasst an Krankheitsverlauf und Erkrankungsschwere des einzelnen Patienten, sämtliche modernen MS-Therapien durch.

Dabei kommen zum einen (immunmodulierende oder immunsuppressive) Medikamente zum Einsatz, wobei wir bei eher mildem Krankheitsverlauf sogenannte Basistherapeutika (Beta-Interferone, Glatirameracetat, Teriflunomid, Dimethylfumarat, Ozanimod oder Ofatumumab) einsetzen, die in Spritzenform oder als Tabletten zur Anwendung kommen. Bei hochaktiver Erkrankung kommen Präparate der sogenannten Eskalationstherapie (Fingolimod, Cladribin, Natalizumab, Alemtuzumab oder Ocrelizumab) zur Anwendung, die entweder als Tablette oder als Infusion verabreicht werden.

Mit Ausnahme von Altemtuzumab, für dessen Gabe ein kurzer (5- bzw. 3-tägiger) stationärer Aufenthalt erforderlich ist, werden sämtliche medikamentösen MS-Therapien in unserer Spezial­ambulanz verabreicht.

Zum anderen führen wir seit 2016 bei Erkrankungsschüben, die sich unter Cortison-Pulstherapie nicht ausreichend bessern, eine Immunadsorptionsbehandlung durch.

Im März 2017 wurde das Neurologische Zentrum des Bezirksklinikums Mainkofen als einzige Klinik in Niederbayern erstmals als „MS-Zentrum“ zertifiziert. Vor wenigen Wochen erfolgte nun die Rezertifizierung. Mit den Zertifikaten „MS-Zentrum“, „MS-Schwerpunktzentrum“ bzw. „MS Rehabilitationszentrum“ zeichnet die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), Bundesverband e.V., Kliniken und Praxen aus. Diese müssen festgelegte Kriterien erfüllen, deren Einhaltung alle zwei Jahre nachgewiesen werden muss. Außerdem müssen sie Daten für das Deutsche MS-Register bereitstellen. Der Kriterienkatalog wurde von international führenden, unabhängigen MS-Experten erarbeitet, die dem ärztlichen Beirat des DMSG-Bundesverbandes angehören. Die Auszeichnungen stehen für eine qualitativ hochwertige, von Leitlinien gestützte Behandlung durch auf MS spezialisierte Neurologen und Fachkräfte.

Information für Ärzte und Interessierte

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems, bei der, abhängig vom Krankheitsstadium, entzündliche und / oder neurodegenerative Pathomechanismen im Vordergrund stehen. Es handelt sich um eine chronische Erkrankung, die durch Entzündung, Entmarkung, axonale Schädigung und reaktive Gliosen gekennzeichnet ist.

Bei der Mehrzahl der Patienten manifestiert sich die Erkrankung zwischen 20 und 40 Jahren, wobei Frauen deutlich häufiger betroffen sind als Männer. Bei 0,2-0,5% der Betroffenen beginnt die Erkrankung bereits vor dem 10. Lebensjahr. Selten ist ein Krankheitsbeginn jenseits des 60. Lebensjahrs, dennoch ist eine Erstmanifestation auch noch in diesem Alter und sogar bis in die 8. Lebensdekade hinein möglich.

Die Symptomatik der MS ist abhängig von der Lokalisation der Entzündungsherde im Gehirn und Rückenmark und daher sehr vielgestaltig. Zu den typischen Symptomen zählen eine Visusminderung, Doppelbilder, Dysarthrie, Parästhesien, spastische Paresen, Stand- und Gangataxie, Blasen-, Mastdarm- und Sexualstörungen sowie Fatigue. Es gibt aber kein Symptom, das für die MS spezifisch wäre. Der Krankheitsverlauf ist sehr variabel und nicht vorhersagbar. Man unterscheidet zwischen der schubförmig-verlaufenden MS (RR-MS), der sekundär chronisch progredient verlaufenden MS mit / ohne schubförmiger Überlagerung und der primär-progredient verlaufenden MS. Abhängig vom Verlaufstyp stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung.

Generell gibt es bei der MS drei verschiedene Therapie-Optionen: die Therapie der einzelnen Symptome, die Therapie des akuten Erkrankungsschubes und die verlaufsmodifizierende Therapie. Bei der Wahl der richtigen verlaufsmodifizierenden Therapie sind eine Reihe von Faktoren zu berücksichtigen. Hierzu zählen unter anderem Alter, Geschlecht, Familienplanung, Begleit­erkrankungen, Vor-Therapien, Krankheitsverlauf und –dynamik. In den vergangenen Jahren hat sich mit der Einführung neuer Medikamente die therapeutische Landschaft der Multiplen Sklerose grundlegend gewandelt und erweitert. Zunehmend gelingt es, wirksame Therapien zu entwickeln, mit denen wir wesentlich gezielter sowohl auf die aktuelle Erkrankungssituation, als auch auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten eingehen können.

Das zentrale Ziel jeder Immuntherapie bei der Multiplen Sklerose ist die anhaltende Freiheit von klinischer und paraklinischer Krankheitsaktivität. Deshalb sollte man sich als behandelnder Arzt immer auch am NEDA 4-Konzept (NEDA = no evidence of disease activity) orientieren, das Freiheit von Krankheitsaktivität als

  • Freiheit von Schüben,
  • Freiheit von Behinderungsprogression,
  • Freiheit von MRT-Aktivität und
  • Freiheit von progredienter Hirnatrophie definiert.

Als Goldstandard zur Einschätzung des Behinderungsgrads gilt weiterhin der EDSS. Anhand des EDSS-Wertes wird auch ein therapeutisches Zeitfenster definiert: bis zu einem EDSS-Wert von 3 ist der Krankheitsverlauf therapeutisch am besten beinflussbar. Ziel der Therapie muss daher sein, die Krankheit möglichst lange in diesem sehr viel besser beeinflussbaren Stadium mit einem EDSS-Wert von unter 3 zu halten. Ab einem EDSS von 3 besteht offenbar ein “Point of no return”. Außerdem besteht bei jedem Erkrankungsschub das Risiko einer irreversiblen residuellen Behinderung.

Auch wenn mittlerweile bei der Therapie der MS eine Hit-hard-and-early-Strategie verfochten wird, beginnt man in der Regel mit einer Basistherapie. Zu den Basistherapien zählen Interferone (Betaferon®, Extavia®, Rebif®, Avonex®, Plegridy®), Glatirameracetat, Teriflunomid (Aubagio®), Dimethylfumarat (Tecfidera®), Ozanimod (Zeposia®) und, ganz neu am 1. April 2021 zugelassen, Ofatumumab (Kesimpta®).

Im klinischen Alltag sollte mit der Entscheidung zur Therapie-Intensivierung bei klinischer oder auch bildgebender Krankheitsaktivität nicht lange abgewartet werden. Sollte die Erkrankung bereits initial sehr aktiv sein, kann es auch eine sinnvolle Option sein, primär mit einer hochwirksamen Therapie zu beginnen. Es stehen mittlerweile drei sehr effektive Antikörpertherapien zur intravenösen Gabe zur Verfügung (Natalizumab (Tysabri®), Alemtuzumab (Lemtrada®), Ocrelizumab (Ocrevus®)) sowie zwei orale Therapien (Fingolimod (Gilenya®), Cladribin (Mavenclad®)). Die Auswahl einer Therapieform richtet sich zum einen nach den Präferenzen der einzelnen Patienten, der Art der Anwendung und zum anderen nach dem Nebenwirkungsprofil, den Komorbiditäten und dem Monitoring-Aufwand.

Immunadsorption

Bei entzündlichen demyelinisierenden Autoimmunerkrankungen des zentralen Nervensystems, insbesondere bei der Multiplen Sklerose, hat sich der Plasmaaustausch bereits in einer kontrollierten Studie und in mehreren Fallserien als wirksam erwiesen und stellt mittlerweile eine leitliniengerechte Standardbehandlung für steroidrefraktäre Schübe dar. In aktuellen Analysen lag die Ansprechrate der Immunadsorption bei steroidrefraktärem MS- Schub bei 66 – 86 % (Mauch E. et al; 2011; Trebst C. et al; 2011). Somit ist die Immunadsorption eine große Bereicherung der Schubtherapie bei der MS, insbesondere wenn Glukokortikosteroide nicht mehr wirken oder nicht verabreicht werden können.

Bei der Immunadsorption handelt es sich um eine Art „Blutwäsche“, mit der schädliche Antikörper aus dem Blutkreislauf entfernt (herausgewaschen) werden. Im Anschluss wird das gereinigte Blut wieder vollständig in den Körper zurückgeführt, somit kommt es zu keinem Blutverlust, auch werden dem Patienten keine fremden Blutbestandteile zugeführt.

Die Behandlung wird von den meisten Patienten als schmerzfrei und nebenwirkungsarm empfunden. In manchen Fällen berichten die Patienten im Anschluss an die Behandlung über Müdigkeit, leichten Schwindel und leichte Kopfschmerzen. In unserer Klinik haben wir ausgezeichnete Erfahrungen mit der Immunadsorption bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen, unter anderem auch bei Steroid-refraktären MS-Schüben.

„Franziska, eine 28-jährige Patientin mit großem Pflaster an der rechten Halsseite verlässt strahlend den Haupteingang unserer Klinik. Sie erzählt, dass bei ihr seit vier Jahren eine Multiple Sklerose bekannt sei. Zuletzt sei sie im Rahmen eines Erkrankungsschubes auf dem linken Auge erblindet. Eine beim Hausarzt durchgeführte Kortison-Therapie habe ihre Sehkraft nicht verbessert, sodass sie vor fünf Tagen zur Immunadsorption in unsere Klinik eingewiesen wurde. Bereits nach den ersten beiden Behandlungstagen konnte Franziska wieder Konturen erkennen. Heute am Ende des letztlich acht-tägigen Immunadsoptionszyklus sei ihre Sehkraft wieder völlig normal. Ich bin einfach so froh, wieder richtig sehen zu können.“

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Team

Leitender Oberarzt
Dr. med. Hans Datzmann
Facharzt für Neurologie 
Oberärztin
Anna-Katharina Eser
Fachärztin für Neurologie

Stationäre Aufnahme

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