Bezirksklinikum Mainkofen warnt zum Weltdrogentag 2026

Dr. Ute Blau, Chefärztin der Abteilung Abhängigkeitserkrankungen am Bezirksklinikum Mainkofen, klärt anlässlich des Weltdrogentages über die Gefahren von neuen illegalen Substanzen auf. Foto: S. Knott
Am 26. Juni 2026 ist Weltdrogentag, der von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen worden ist, um Maßnahmen gegen Drogenmissbrauch und illegalen Drogenhandel publik zu machen. Das diesjährige Motto lautet: „Anhaltende Probleme, neue Herausforderungen, innovative Antworten.“
Das Bezirksklinikum Mainkofen nimmt diesen Tag zum Anlass, um vor einer neuen Gefahr auf dem illegalen Drogenmarkt zu warnen. Sogenannte Neue Psychoaktive Substanzen (NPS) und extrem stark veränderte Straßendrogen machen den Schwarzmarkt unberechenbarer denn je. Bereits beim „Niederbayerischen Suchtforum“ Ende April in Mainkofen warnten Fachleute eindringlich vor dieser Entwicklung. Diese künstlichen Designerdrogen werden oft verharmlosend als „Legal Highs“ oder „Research Chemicals“ (Forschungschemikalien) verkauft. Mittlerweile überwacht die Europäische Drogenbehörde über 1.050 dieser Stoffe – fast jede Woche kommt eine neue Variante hinzu (Quelle: European Union Drugs Agency, 2026). Sie stellen die Medizin und die Rettungskräfte vor neue schwere Aufgaben.
Dr. Ute Blau, Chefärztin der Abteilung Abhängigkeitserkrankungen am Bezirksklinikum Mainkofen, erklärt: „Unter dem Begriff `Neue psychoaktive Substanzen (NPS)´ sind ständig neue Verbindungen auf dem Markt. Da deren chemische Struktur im Labor immer wieder minimal verändert wird, um Gesetze zu umgehen, können medizinischen Daten nicht up to date sein. Diese NPS werden oft herkömmlichen Drogen wie Cannabis oder Heroin beigemischt, ohne dass die Käufer es wissen.“
Die Gefahr: Viele dieser Substanzen wie etwa Cannabinoide, hochpotente Fentanylderivate oder sogenannte Nitazene wirken bereits in winzigsten Mengen. Die Folge sind schwere Vergiftungen, Psychosen und Atemstillstand. Weder die Konsumenten, noch die Behandler sind sich dann mangels Nachweisbarkeit über die genauen Inhaltsstoffe, die die Vergiftung ausgelöst haben, im Klaren. Auch die veränderte Beschaffenheit altbekannter Drogen gibt Anlass zur Sorge. So verzeichnen Labore seit Jahren einen massiven Anstieg des Wirkstoffgehalts in Ecstasy Tabletten (MDMA). Auch vermeintlich reines Kokain oder Amphetamin wird zunehmend mit hoch gefährlichen Substanzen gestreckt.
Bei den sogenannten Nitazenen oder auch Benzimidazol-Opioiden ist die Wirkpotenz etwa 500 Mal stärker als bei Morphin. Getriggert durch das Opiumanbauverbot in Afghanistan fluten diese Nitazene seit 2024 als billiger Ersatzstoff den europäischen Markt. Illegale Labore mischen diese Nitazene und Fentanylderivate unter herkömmliches Heroin, strecken damit gefälschte Schmerztabletten wie Oxycodon-Pillen oder manipulieren Cannabisharz.
„Bei einer klassischen Opioidüberdosierung wird das Antidot Naloxon verabreicht. Bei der extremen Wirkpotenz reicht dabei aber die normale Dosis nicht aus. Im BK Mainkofen wie auch an anderen Kliniken sehen wir vermehrt lebensgefährliche Mischintoxikationen, aber auch schwere Psychosen. Das Risikobewusstsein der Konsumenten ist meist dem Suchtdruck untergeordnet“, sagt Dr. Blau.
Zum Weltdrogentag ruft das Bezirksklinikum Mainkofen deshalb dringend dazu auf, sich genau zu informieren und bei den passenden Anlaufstellen Hilfe zu suchen.
Eine stationäre Entgiftung im BK Mainkofen kann unter der Tel. 09931-8731690 vereinbart werden.
Die überregionale Sucht- und Drogenhotline in München bietet Informationen über weitere Hilfsmöglichkeiten in Bayern und Beratung für Angehörige und Betroffene: Tel. 089/282822 (6.00-0.00 Uhr), 01806/313031 (8.00-24 Uhr, 20 Cent pro Anruf).
Auf der Website der Initiative „My Brain my Choice“ (www.mybrainmychoice.de) sind aktuelle drogen- und suchtpolitische Hintergründe zu finden.
Geeignete Anlaufstellen sind zudem die regionalen Suchtberatungsstellen und Gesundheitsämter.
Dr. Ute Blau betont zum Schluss, wie wichtig diese Beratung auch für Menschen ist, die bereits ein medizinisches Ersatzmedikament bekommen: „Suchtberatungsstellen sollten auch im Falle einer medizinisch verordneten Opiat-Substitution zur psychosozialen Unterstützung genutzt werden, da sich der Beikonsum illegaler Substanzen auch hier lebensgefährlich auswirken kann und der Zweck der Substitution damit gänzlich verfehlt wird.“
26.06.2026
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