Depressionen und Ängste: Es lohnt sich, Hilfe zu suchen!

v.li.: Alexandra Zenger, AOK Direktion Bayerwald-Deggendorf; Dr. Claudia Hindinger, Chefärztin des Zentrums für integrale Depressionsbehandlung; Prof. Dr. Johannes Hamann, Ärztlicher Direktor Bezirksklinikum Mainkofen; Bezirksrätin Renate Wasmeier. Foto: C. Alenfeld

Anlässlich der aktuell laufenden Woche der seelischen Gesundheit hat am Dienstag, 13. Oktober 2026, am Bezirksklinikum Mainkofen ein Vortrag zum Thema „Depressionen und Ängste“ stattgefunden. Dieser war Teil der Veranstaltungsreihe „Gesundheit im Dialog“.

In ihrem Vortrag informierten Prof. Dr. Johannes Hamann, Ärztlicher Direktor am Bezirksklinikum Mainkofen, und Dr. Claudia Hindinger, Chefärztin des Zentrums für integrale Depressionsbehandlung, über Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Depressionen und Ängsten. Dass das Thema von Bedeutung ist, zeigte die voll besetzte Kirche in Mainkofen, in die mehr als 90 Interessierte gekommen sind. Darunter auch Frau Bezirksrätin Renate Wasmeier, die stellvertretend für Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich anwesend war.

Rund 20 Prozent der Erwachsenen sind in Deutschland von einer Depression betroffen. Dabei sind Depressionen über alle Altersgruppen hinweg die häufigste Diagnose bei stationären Behandlungen von psychischen Erkrankungen. „Wichtig ist klarzustellen, dass eine Depression keine Willensschwäche und kein moralisches Versagen ist, sondern eine ernsthafte psychische Erkrankung“, klärte Dr. Claudia Hindinger auf. Und, noch wichtiger: eine Depression ist behandelbar.

Eine Depression kann jeden treffen

Doch genau hier liegt das Problem: Im Schnitt vergehen 20 Monate, bis sich Menschen mit einer depressiven Erkrankung Hilfe suchen. „Depressionen können ein buntes Bild an Symptomen zeigen, weshalb viele Menschen anfangs gar nicht darauf kommen, dass sie unter einer psychischen Erkrankung leiden“, sagt Dr. Hindinger. Hauptsymptome einer Depression sind u.a. eine gedrückte, niedergeschlagene Stimmung, Interessenverlust und Freudlosigkeit, Antriebsmangel sowie gesteigerte Erschöpfung und Ermüdbarkeit. Wer diese Symptome an sich oder einem Angehörigen / Bekannten feststellt, sollte zunächst den Hausarzt aufsuchen, um körperliche Ursachen auszuschließen und nach der Diagnose einer Depression Therapiemöglichkeiten zu besprechen. „Niemand ist vor einer Depression gefeit. Sollte diese eintreten, ist eine Therapie lebensrettend. Professionelle Hilfe anzunehmen, ist ein Zeichen von Stärke“, so Dr. Hindinger.

Sollte eine akute Krisensituation auftreten, ist der Krisendienst Niederbayern täglich von 0-24 Uhr unter 0800/655 3000 zu erreichen. Hier werden Betroffene beraten und gelotst. Auch das Bezirksklinikum Mainkofen ist im Notfall über die Rufnummer 9931 87 0 ebenfalls immer eine geeignete Anlaufstelle. 

Sehr hohe Suizidalitätsrate bei Depressionen

Dass Depressionen schwere psychische Erkrankungen sind, zeigt auch die Suizidalität-Statistik: Rund 90 Prozent alle Suizide stehen im Zusammenhang mit einer psychiatrischen Erkrankung, meist einer Depression. Rund 40 bis 70% der Menschen mit einer Depression leider unter Suizidgedanken. „Mögliche Warnzeichen sind Sätze wie `es hat alles keinen Sinn mehr´ sowie Rückzug, Isolation oder ein plötzliches Verschenken von Wertgegenständen“, erklärt Dr. Hindinger. „Wer dieses Verhalten an einem Angehörigen oder Bekannten feststellt, sollte auf keinen Fall wegsehen, sondern darüber reden. Denn das direkte Ansprechen von Suizidgedanken erhöht das Risiko nicht, es wirkt im Gegenteil oft entlastend.“ Betroffene dürfen in diesem Fall keinesfalls alleingelassen werden. Wichtige Notfallkontakte und Maßnahmen sind: Ärztlicher Bereitschaftsdienst (116 117), Rettungsdienst/Notarzt (112, bei akuter Eigengefährdung), Besuch der nächsten Notaufnahme / der nächsten psychiatrischen Klinik und Telefonseelsorge (0800 111 0111 oder 0800 111 0222 (kostenlos, 24/7 anonym).

Wenn aus Angst eine Erkrankung wird

Wie Depressionen sind auch Angst und Angsterkrankungen in Deutschland weit verbreitet. Ca. 1 von 5 Menschen erlebt mindestens einmal eine Angsterkrankung. „Angst an sich ist keine Erkrankung, sondern eine Reaktion, die vor Gefahr warnt und uns körperlich auf Kampf oder Flucht vorbereitet“, erklärt Prof. Dr. Johannes Hamann. Angst wird zu einer Erkrankung, wenn sie zu stark ist, zu lange anhält oder die Alltagsroutine beeinträchtigt. „Wenn ich Angst vor dem Bus habe, obwohl er sicher ist, und deshalb zu Hause bleibe, dann wird es Zeit, Hilfe aufzusuchen“ so Prof. Hamann.

Zu den häufigsten Angsterkrankungen gehören Panikstörungen mit plötzlich auftretenden Angstattacken, Soziale Angst (Angst vor Kritik oder Beobachtung), generalisierte Angststörungen (ständige Sorge über alles) und Phobien, wie zum Beispiel Angst vor Spinnen, Höhen oder Flugzeugen. Diese treten am häufigsten auf.

Entstehung und Behandlungsmöglichkeiten von Angsterkrankungen überlappen sich mit der Depression. So entstehen sie meist aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren, dazu gehören Veranlagung, Lernerfahrungen (belastende Erlebnisse, ängstliche Vorbilder) und Auslöser (Dauerstress, Überlastung, Verluste, Lebensumbrüche, körperliche Erkrankungen).

Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig: Erste Wahl ist die Psychotherapie, hier vor allem die kognitive Verhaltenstherapie. Auch Medikamente und Aufklärung (Psychoedukation), Entspannung, Bewegung und Selbsthilfegruppen sind bei einer Angsterkrankung empfehlenswert.

„Auch hier gilt wie bei der Depression: Je mehr sich Betroffene zurückziehen, desto größer wird die Gefahr der Chronifizierung. Es lohnt sich, Hilfe zu suchen“, so der Appell von Prof. Hamann.

Im Anschluss an ihre Vorträge beantworteten Prof. Hamann und Dr. Hindinger noch viele Fragen aus dem Publikum und klärten über die Krankheitsbilder noch weiter auf.

Die Veranstaltungsreihe „Gesundheit im Dialog“ ist eine gemeinsame Aktion von AOK Deggendorf, DONAUISAR Klinikum Deggendorf, Volkshochschule, Kneippverein, Bezirksklinikum Mainkofen und Gesundheitsregionplus Landkreis Deggendorf. Ziel ist es, die Bürgerinnen und Bürger vor Ort über gesundheitliche Themen zu informieren sowie für eine gesunde Lebensweise und Vorbeugung zu sensibilisieren.

14.10.2026

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